Nach den Ferien wieder zur Klassengemeinschaft finden

Der erste Schultag nach den Ferien ist für alle ein Neustart aber nicht für alle unter denselben Voraussetzungen. Manche Schüler*innen freuen sich darauf, Freund*innen wiederzusehen. Andere kommen mit Unsicherheit zurück, sind neu in der Klasse oder müssen sich erst wieder an feste Zeiten, Anforderungen und das Miteinander in einer größeren Gruppe gewöhnen. 
Deshalb lohnt es sich, zu Beginn nicht ausschließlich auf Stundenplan, Lernstoff und Organisatorisches zu schauen. Auch eine vertraute Klasse braucht Zeit, um wieder zusammenzufinden. 

Erst ankommen, dann durchstarten 

Ein guter Einstieg kann unspektakulär sein: Wie geht es uns gerade? Was beschäftigt uns? Worauf freuen wir uns in diesem Schuljahr – und was macht vielleicht noch Bauchschmerzen? 
Kurze Gesprächsrunden, kleine Übungen zu zweit oder eine gemeinsame Sammlung an der Tafel geben Schüler*innen Gelegenheit, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen. Gleichzeitig erhalten Lehrkräfte einen Eindruck davon, was die Klasse gerade bewegt. 
Dabei muss nicht jede*r Persönliches erzählen. Entscheidend ist vielmehr das Signal: Hier ist Raum für euch und eure Perspektiven. 

Nicht nur Regeln wiederholen, sondern gemeinsam klären, wie Zusammenarbeit gelingt  

Zum Schuljahresbeginn stehen häufig Klassenregeln auf dem Programm. Spannender als eine fertige Liste ist die Frage: Was brauchen wir, damit wir hier gut lernen und miteinander umgehen können? 
Aus den Antworten können gemeinsame Vereinbarungen entstehen. Dabei lässt sich auch besprechen, warum bestimmte Regeln notwendig sind, was bei unterschiedlichen Interessen passiert und welche Verantwortung jede*r Einzelne für die Gemeinschaft trägt. 
So wird aus einem organisatorischen Programmpunkt eine erste Erfahrung von Beteiligung: Die Schüler*innen erleben, dass ihre Stimme gefragt ist und dass gemeinsam getroffene Vereinbarungen auch gemeinsame Verantwortung bedeuten. 

Mitbestimmung im Kleinen beginnen 

Demokratische Beteiligung muss nicht erst bei Klassensprecher*innenwahl oder Schüler*innenvertretung anfangen. Gerade im Unterricht gibt es viele kleine Entscheidungen, an denen Schüler*innen beteiligt werden können. 
Welche Frage wollen wir zuerst diskutieren? Arbeiten wir bei einer Aufgabe allein oder im Team? Welches Thema möchten wir vertiefen? Wie präsentieren wir unsere Ergebnisse? 
Nicht jede Entscheidung kann und sollte gemeinsam getroffen werden. Umso wertvoller ist es, transparent zu machen, wo Mitbestimmung möglich ist und wo nicht. Schüler*innen lernen dadurch, dass Beteiligung nicht bedeutet, immer den eigenen Wunsch durchzusetzen, sondern Entscheidungen gemeinsam auszuhandeln. 

Eine Klasse darf unterschiedlicher Meinung sein 

Wo Menschen mitreden, entstehen unterschiedliche Ansichten. Genau darin steckt eine wichtige Lernchance. 
Schon zu Beginn des Schuljahres können Klassen vereinbaren, wie sie diskutieren möchten: einander ausreden lassen, nachfragen statt vorschnell urteilen, widersprechen dürfen, ohne persönlich zu werden, und die eigene Meinung begründen. 
Geeignete Gesprächsanlässe müssen dabei nicht aus dem Lehrbuch kommen. Oft genügt die Frage: Was wird bei euch gerade diskutiert? 
Das können Themen aus dem Schulalltag ebenso sein wie Debatten aus sozialen Medien, Nachrichten oder dem eigenen Umfeld. Werden solche Fragen im Unterricht aufgegriffen, erfahren Schüler*innen, dass ihre Lebenswelt in der Schule Platz hat. Gleichzeitig können sie üben, Informationen einzuordnen, Positionen zu begründen und andere Perspektiven auszuhalten. 

Gemeinschaft entsteht nicht am ersten Schultag 

Ein gelungener Schulstart braucht deshalb kein großes Sonderprogramm. Oft sind es kleine Entscheidungen im Alltag, die den Unterschied machen: Zeit für Gespräche lassen, Schüler*innen beteiligen, Verantwortung übertragen und Meinungsverschiedenheiten nicht vermeiden, sondern konstruktiv begleiten. 
So entsteht Schritt für Schritt wieder eine Klassengemeinschaft. Und ganz nebenbei werden Fähigkeiten gestärkt, die weit über das Klassenzimmer hinausreichen: zuhören, mitentscheiden, Verantwortung übernehmen und respektvoll miteinander streiten.

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